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Ist eine entspannte Geburt im Krankenhaus möglich?

Hektische Ärzte, mehr als ein Kreissaal, laute Geräusche… klingt nicht gerade nach einem Ort, an dem man sich richtig gut entspannen kann, oder? Wer meine Artikel bisher verfolgt hat fragt sich vielleicht, warum ich mir ausgerechnet ein Krankenhaus für die Entbindung ausgesucht habe, wenn es bei meiner Geburt doch alles so entspannt und ruhig wie möglich ablaufen soll. Eine Hausgeburt oder ein Geburtshaus empfehlen mir einigen Leserinnen immer wieder als entspanntere Alternative. In diesem Artikel liest du, warum ich mich für das Krankenhaus entschieden habe und was ausgerechnet mein Geburtsvorbereitungskurs damit zu tun hat, Vertrauen und Nähe zum Krankenhaus aufzubauen…

Da es unser erstes Baby ist haben mein Mann und ich uns entschlossen, ein Krankenhaus auszuwählen, welches direkt eine Kinderstation integriert hat. Diese Entscheidung haben wir im vierten Monat getroffen und tatsächlich war ein Gespräch mit einem befreundeten Babynotarzt hier der ausschlaggebende Punkt. Das klingt jetzt vielleicht erst einmal widersprüchlich: Warum ist mir diese Sicherheit auf einmal so wichtig, wenn ich doch felsenfest an eine schmerzfreie und sanfte Geburt glaube?

Auch wenn ich mir sicher bin, dass es funktionieren kann mein Baby sanft, einfach und natürlich zu bekommen, ist es am Ende meine erste Geburt. Ich werde erst wirklich wissen, wie es ist, wenn ich es erlebt habe. Neben dem Geburtserlebnis an sich war es daher unsere Entscheidung einen Ort zu wählen, der in einem medizinischen Notfall der sicherste für unser Baby ist. Am Ende hat dies die oberste Priorität für uns und gleichzeitig schließt es für mich nicht aus, mein Baby so sanft und natürlich wie möglich zur Welt zu bringen und somit ein schönes Geburtserlebnis zu haben. Für mich hat sich daraus eher direkt die Aufgabe ergeben dafür zu sorgen, dass ich mich so wohl wie möglich im Krankenhaus fühle.

Die Geburt wird mein elfter Besuch im Krankenhaus

Keine Angst, ich musste nicht bereits zehn Mal während oder vor der Schwangerschaft ins Krankenhaus. Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, meinen Geburtsvorbereitungskurs und auch die Akupunktur vor der Geburt in meinem Entbindungskrankenhaus zu machen. Ich habe eigentlich auch eine kompetente und nette Hebamme, die mich von Anfang an betreut und beides liebend gern mit mir gemacht hätte. Durch meine Entscheidung, den Kurs und auch die Akupunkturtermine vor der Geburt direkt im Krankenhaus und Kreissaal zu machen, komme ich insgesamt auf zehn Termine und über 30 Stunden im Kreissaal und der Hebammenstation bis zum eigentlichen Geburtstermin.

Was hat mir das gebracht?

  1. Ich konnte viele verschiedene Hebammen bereits im Vorfeld kennenlernen (Ich hatte darum gebeten, bei der Akupunktur jedes Mal eine andere Hebamme zu bekommen, die den Termin mit mir macht). So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mich am Tag der Geburt ein bekanntes Gesicht anlacht 🙂
  2. Auch wenn es immer nur eine Stunde war, konnte ich bereits viel mit den Hebammen über die Geburt, meine Wünsche und Vorstellungen plaudern. Das hat mir großes Vertrauen gegeben.
  3. Ich war bereits mehrfach in den Räumen, in denen auch mein Baby zur Welt kommen wird. Ich weiß, wie es da aussieht und kann all diese visuellen Eindrücke mit in meine Gedanken an die Geburt aufnehmen. Ich komme am Tag, wenn mein Baby auf die Welt kommen möchte, also nicht in völlig fremde Räume.
  4. Ich fand den Austausch mit anderen Frauen und Paaren im Geburtsvorbereitungskurs immer angenehm und auch die Akupunktur war für mich ein schönes Erlebnis. Ich habe also bereits zehn tolle Erlebnisse im Krankenhaus gesammelt (Erinnerst du dich? Wir erleben, was wir glauben).
  5. Ich habe einen leeren Kreissaal erlebt, in dem ich mich wirklich wohl fühle. Die Atmosphäre hat mir gezeigt, dass die Hebammen und Ärzte ein offenes Ohr für meine Wünsche haben werden.
  6. Ich habe aber auch einen voll belegten Kreissaal mit vier Frauen erlebt, die gleichzeitig im Geburtsprozess waren. Das hat mir geholfen zu überlegen, was ich alles für mich brauche, um auch in so einer intensiven Geräuschkulisse entspannt zu bleiben. Der iPod mit schalldichten Köpfhörern ist bereits in der Kliniktasche 😉 Gleichzeitig habe ich genau in diesem Moment bereits einmal das Wunder gehört, wie die Wehengeräusche dem Babyschreien weichen. Eine wirklich tolle Erfahrung.
  7. Der voll belegte Kreissaal hat mir auch gezeigt, dass es für Ärzte und Hebammen durchaus auch total stressig sein kann. Ich fühle mich noch mehr bestätigt, dass ich  auf dem richtigen Weg bin, wenn ich selbst die größte Geburtsexpertin werde, die ich sein kann. Am Ende möchte ich mich vor allem auf mich selbst verlassen können.
  8. Der Geburtsvorbereitungskurs hat mir gezeigt, dass es absolut Sinn macht, sich selbst ganz intensiv mit dem Geburtsverlauf, Atmung und Entspannung zu beschäftigen. Zumindest in meinem Kurs wurden all diese Themen nur sehr kurz und knapp angeschnitten und ich hätte alles schon wieder vergessen, wenn ich mich nicht selbst so viel damit beschäftigen würde.
  9. Ich konnte den Kurs total gut nutzen, um all meine Fragen loszuwerden. Meistens lief das aber so ab, dass ich immer genau das Gegenteil gefragt habe. Als Beispiel: Wenn uns ganz genau erklärt wurde, wann und wie direkt beim Eintreffen im Krankenhaus der Wehentropf gelegt wird habe ich gefragt, ob ein Wehentropf denn grundsätzlich notwendig sei. Die ganze Fragerei war für meine Hebamme sicher anstrengend über alle Termine hinweg, hat mir aber Vertrauen gegeben, dass eine sanfte, natürliche und einfache Geburt auch im Krankenhaus möglich sein kann. Die Hebammen und Ärzte optimieren ihren Job eben wie jeder andere auch. Daraus sind auch ganz viele Punkte von meiner Geburtswunschliste entstanden.
  10. Ich konnte mir auch die Station anschauen sowie die einzelnen Zimmer, in denen man die ersten Tage verbringen würde. Daraus entstand mein Wunsch, ambulant zu entbinden, falls es medizinisch keine Gründe für mein Baby oder mich gibt, im Krankenhaus zu bleiben. Ich für mich möchte die ersten Stunden und Tage gern direkt zu Hause in gewohnter Umgebung verbringen, ohne auf die medizinische Sicherheit für mein Baby bei der Geburt verzichten zu müssen.

Solltest du auch in einem Krankenhaus entbinden wollen, kann ich dir total empfehlen, so viele Kurse (es gibt ja auch noch Schwangerschaftssport etc.) wie möglich im Vorfeld im Krankenhaus zu besuchen und dich mit der Umgebung und den Menschen dort vertraut zu machen.

Wichtig ist in meinen Augen, dass jeder genau den Ort, die Umgebung und die Menschen findet, mit denen er sich am wohlsten fühlt. Egal ob Krankenhaus, Geburtshaus oder zu Hause, ob mit oder ohne Beleghebamme, ambulant oder stationär. Schau einfach, was dir die meiste Sicherheit und das größte Vertrauen gibt.

Alles Liebe,
Deine Franzi

PS: Einige Leserinnen fragen mich immer wieder nach dem Papa. Deshalb werde ich einen der nächsten Artikel zum Thema Geburtsbegleiter schreiben. So viel vorab: Mein Baby bekommt den wundervollsten Papa der Welt, der zwar nicht den Geburtsprozess mit mir erlebt (da erfüllen meine Mama und ich uns einen großen Wunsch), aber direkt im Anschluss im Kreissaal dazukommt 🙂

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