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Die Wunschliste für meine natürliche und sanfte Geburt

Pünktlich zum Start der 36. Schwangerschaftswoche habe ich heute mein Aufnahmegespräch im Krankenhaus. Dies ist der Zeitpunkt an dem ich mit den Ärzten und Hebammen meine Wunschliste für die Geburt durchgehe und wir gemeinsam besprechen, was mir wichtig ist. Ich möchte meine Geburtswunschliste gern mit dir teilen. Sie zeigt dir im Detail, was ich mir wünsche und was ich gern bei der Geburt meines Babys vermeiden möchte. Vielleicht sind ja auch ein paar Inspirationen für dich dabei… 

Als ich mich am Anfang mit dem Thema Hypnobirthing beschäftigt habe, fand ich den Gedanken etwas merkwürdig „fremden“ Personen (Hebammen und Ärzten) eine Liste zu schreiben, wie ich mir meine Geburt wünsche. Allerdings ist es in meinem Fall so, dass ich in einem Krankenhaus mein Baby bekommen möchte, in dem keine Beleghebammen möglich sind – ich kann also nicht meine Hebamme mitbringen, die mich seit Anfang der Schwangerschaft betreut und meine Wünsche kennt. Mir war deshalb total wichtig, möglichst viele Hebammen aus dem Krankenhaus vorher kennen zu lernen und Vertrauen aufzubauen. Wie ich das gemacht habe, beschreibe ich euch in einem der nächsten Artikel.

Durch meinen Geburtsvorbereitungskurs sowie meine Schwangerschaftsapp wurde mir zudem dann schnell klar, dass es auch ohne Hypnobirthing normal ist, seine Geburt zu planen und diesen Plan beim Aufnahmegespräch zu besprechen. Mein Ziel ist es, dass ich durch diese Liste und das Gespräch gegenseitiges Vertrauen mit den Geburtsbetreuern im Krankenhaus aufbauen kann. Ich möchte allen Beteiligten vertrauen können, dass sie meine Wünsche respektieren und mir ermöglichen die Geburt so sanft und natürlich wie möglich zu erleben. Gleichzeitig ist mir aber auch wichtig, dass die Hebammen und Ärzte mir vertrauen und wissen, dass ich auf ihren Rat höre und all ihre Maßnahmen unterstütze, falls eine medizinische Notwendigkeit besteht.

Meine Wunschliste habe ich bei meinem Gespräch heute ausgedruckt mit dabei, damit sie meinen Unterlagen im Krankenhaus beigelegt werden kann. Ich werde aber auch am Tag der Geburt noch Exemplare in meiner gepackten Geburtstasche mit dabei haben, um sie der Hebamme zu geben, die gerade Dienst hat. Ich denke, dass mir die Liste und alle vorherigen Gespräche helfen werden, mich am Tag der Geburt komplett auf mich zu konzentrieren und unnötige Besprechungen über Medikamente, Abläufe etc. zu vermeiden. Falls nicht anders möglich ist aber meine Mama als Geburtsbegleiterin dabei. Sie kennt meine/unsere Wünsche und kann diese bei Rückfragen mit der Hebamme noch einmal besprechen. Auf dieser Liste sind bereits auch Wünsche festgehalten, welche die Versorgung meines Babys direkt nach der Geburt betreffen. Ich habe bei meinem Geburtsvorbereitungskurs festgestellt, dass es in einigen Krankenhäusern Routinemaßnahmen gibt, die „einfach direkt mit durchgeführt werden“, aber nicht in jedem Fall medizinisch notwendig sind.

Mich würde interessieren, was dir bei deiner Geburt geholfen hat und noch wichtig war, oder wichtig wäre. Schreibe mir gern einen Kommentar, dann kann ich die Liste noch weiter ergänzen 🙂


Meine Geburtswunschliste

baby-belly-1533541_1920Liebe Geburtsbetreuer,
meine Mama (als meine Geburtsbegleiterin) und ich haben uns dafür entschieden, mein Baby auf die ruhigste, sanfteste und natürlichste Weise zur Welt zu bringen, die uns möglich ist. Wir freuen uns sehr, dass Sie uns bei diesem einmaligen Ereignis unterstützen und betreuen werden. Nach meinen Erfahrungen im Geburtsvorbereitungskurs hier im Krankenhaus bin ich mir sicher, dass wir mit Ihnen das perfekte Team an unserer Seite haben, welches unsere Wünsche respektiert und ihr bestmögliches gibt, um diese Geburt genauso erleben zu können. Im Nachfolgenden finden Sie einzeln all unsere Wünsche aufgelistet mit der Bitte diese meiner Akte beizulegen und sie allen Hebammen, Ärzten und medizinischem Personal zugänglich zu machen, die meine Geburt betreuen könnten. Die Wünsche und Pläne spiegeln den jetzigen Zeitpunkt dar und wir wissen, dass diese Pläne sich während des Geburtsverlaufs ändern können. Wir verstehen, dass diese Auswahl an Wünschen eine normale Schwangerschaft und Geburt voraussetzt. Sollte eine Situation entstehen, die einen medizinischen Notfall darstellt, werden Sie unsere vollständige Unterstützung haben. Hierfür bitten wir Sie, uns zu jedem Zeitpunkt die medizinische Notwendigkeit zu erläutern. Falls es zu keinen besonderen Umständen während des Geburtsverlaufes kommt, bitten wir Sie die folgenden Wünsche zu respektieren.

Für Ihr Verständnis und ihre Unterstützung danken wir Ihnen im Voraus.
Herzliche Grüße,
Franziska Behlert und Mama 



Wir wünschen uns vor der Aufnahme:

– alle erforderlichen Schreibarbeiten im Aufnahmegespräch zu erledigen, um eine Störung während der Entspannung im Geburtsverlauf zu vermeiden,
– eine künstliche Einleitung des Geburtsverlaufs nur in Betracht zu ziehen, falls der Geburtsverlauf ungewöhnlich verzögert ist und eine medizinische Notwendigkeit besteht,
– die künstliche Einleitung des Geburtsverlaufs nach Öffnung der Fruchtblase für eine angemessene Zeit hinauszuzögern, falls Mutter und Baby keine Anzeichen einer Infektion zeigen.

Wir wünschen uns bei der Aufnahme:
– eine Hebamme zugewiesen zu bekommen, die eine positive Einstellung zur natürlichen Geburt hat (ggf. bereits Erfahrungen mit Hypnobirthing hat),
– die Möglichkeit zu bekommen, unsere Geburtswünsche mir der uns zugeteilten Hebamme zu besprechen,
– das Verständnis und die Geduld aller Betreuer während unserer Geburt unsere Wünsche zu unterstützen, von jeder Methode oder Verfahrensweise abzusehen (falls keine medizinische Notwendigkeit besteht), die eine natürliche, sanfte und entspannte Geburt unnötig behindern könnte,
– nach Hause zurückkehren zu können, wenn der Muttermund weniger als 4 Zentimeter geöffnet ist und keine Notwendigkeit für eine Aufnahme besteht,
– keine routinemäßige Vorbereitung auf einen Wehentropf bei der Aufnahme,
– die Verwendung eines portablen Wehen- und Herztonschreibers (wie bei einer Wassergeburt angewandt wird) während des gesamten Geburtsverlaufs,
– natürliche Mittel zur Einleitung, sollte diese notwendig sein. Künstliche Einleitungsmittel sollten bitte nur in geringster Dosis bei einem medizinischen Notfall eingesetzt werden und direkt entfernt werden, wenn die Gebärmutter sich auf natürliche Weise öffnet und verkürzt,
– falls es die Verfügbarkeit der Räumlichkeiten hergibt, Kreissaal 3 (Wald) oder alternativ Kreissaal 2 (Strand und Meer) zugeteilt zu bekommen.

Während der ersten Geburtsphase (Öffnungs- und Verkürzungsphase) wünschen wir:
– das Verständnis und die Geduld aller Betreuer unsere Wünsche zu unterstützen, von jeder Methode oder Verfahrensweise abzusehen (falls keine medizinische Notwendigkeit besteht), die eine natürliche, sanfte und entspannte Geburt unnötig behindern könnte,
– nur die Anwesenheit von notwendigen Betreuern oder Beobachtern und ansonsten viel Raum für Ruhe und Entspannung,
– dass alle Betreuer davon absehen von „Leiden, Schmerzen etc.“ zu sprechen, ebenso von dem Angebot Medikamente oder künstlichen Verfahrensweisen einzusetzen, die den Geburtsverlauf fördern, falls dies medizinisch nicht absolut notwendig ist,
– die Verwendung eines portablen Wehen- und Herztonschreibers (wie bei einer Wassergeburt angewandt wird) während des gesamten Geburtsverlaufs,
– die Entfernung aller Messgeräte für Blutdruck oder ähnliches zwischen den einzelnen Messungen (falls notwendig), um damit eine freie Bewegung zu jedem Zeitpunkt zu ermöglichen,
– innere Untersuchungen nur bei medizinischer Notwendigkeit,
– die Anzahl vaginaler Untersuchungen (mit Einwilligung) so minimal wie möglich zu halten, um eine Öffnung der Fruchtblase (falls noch geschlossen) zu vermeiden und einen natürlichen Geburtsverlauf zu ermöglichen,
– die Wahlmöglichkeit für Bewegung, Ruhe oder Positionswechsel selbst bestimmen zu können,
– Geduld aller Betreuer, so dass sich der Geburtsverlauf natürlich entfalten kann und Hinweise darauf, „die Geburt voranzubringen oder zu beschleunigen“ zu vermeiden. Wir bringen viel Zeit mit 🙂
– natürliche Mittel wie Akupunktur etc. zu verwenden, sollte sich der Verlauf verlangsamen oder zum Stillstand kommen,
– vor der Einführung jeder medizinischen Anwendung vollständig aufgeklärt und beraten zu werden (z.B. Wehentropf, künstliche Öffnung der Fruchtblase etc.)
– die Verwendung eines Geburtshockers zu ermöglichen.

Während der zweiten Phase (Geburtsphase) wünschen wir:
– das Verständnis und die Geduld aller Betreuer unsere Wünsche zu unterstützen, von jeder Methode oder Verfahrensweise abzusehen (falls keine medizinische Notwendigkeit besteht), die eine natürliche, sanfte und entspannte Geburt unnötig behindern könnte,
– dass der natürliche Geburtsreflex des Körpers die sanfte Abwärtsbewegung des Kindes erleichtern kann, unterstützt durch die von der Mutter geleitete Geburtsatmung, bis das Kind sichtbar wird,
– dass die selbst gewählte, bestimmte und mit dem Geburtsbegleiter (meiner Mama) durchgeführte Atemtechnik respektiert wird,
– dass „das Pressen“ nicht vorgeschlagen oder gefordert, sondern unsere selbstgewählte Atemtechnik unterstützt wird,
– dass der gesamte Geburtsprozess, vor allem aber diese Phase, absolut ruhig, ohne Hektik und ohne laute Anweisungen begleitet wird,
– die Vollendung der Geburt, bevor Nase und Rachen abgesaugt werden falls notwendig),
– die Durchführung eines Dammschnitts nur, falls medizinisch absolut notwendig und nur nach Absprache,
– die Möglichkeit, das Baby selbst bzw. mit zu empfangen, falls die Position es zulässt.

Im direkten Anschluss an die Geburt wünschen wir:
– dass der unmittelbare Haut zu Haut Kontakt zwischen Mama und Baby ermöglicht wird.
– dass das Abklemmen und Durchtrennen der Nabelschnur erst durchgeführt wird, nachdem die Nabelschnur aufgehört hat zu pulsieren (auch wenn das eine Weile dauert). Falls notwendig Mama und Baby während dieser Zeit zugedeckt werden
– auf den natürlichen Plazentaaustritt zu warten und von künstlichen Einleitungen, Ziehen an der Nabelschnur oder der manuellen Entfernung der Plazenta abzusehen, falls keine medizinische Notwendigkeit besteht. Auch wenn dies eine Weile dauern kann – Wir haben viel Zeit mitgebracht 🙂
– den natürlichen Plazentaaustritt durch das Anlegen des Kindes an die Brust sowie sanfte Gebärmuttermassagen im Abstand von 15 Minuten zu unterstützen,
– im Falle eines Kaiserschnitts, dass die Geburtsbegleiterin (Mama der Mama) das Baby halten und bei allen Untersuchungen dabei sein kann, um einen ständigen Augenkontakt herzustellen,
– einen ambulanten Aufenthalt und das Verlassen des Krankenhauses vier Stunden nach der Geburt zu ermöglichen, falls keine medizinische Versorgung von Mutter und/oder Kind notwendig ist,
– die Zuteilung eines Einzelzimmers und die Ermöglichung des Aufenthalts des Vaters bei Mutter und Baby(Kosten werden übernommen), falls ein Verbleiben im Krankenhaus medizinisch notwendig sein sollte.

Für das Baby wünschen wir nach der Geburt:
– auf die Verwendung von Augentropfen für das Kind zu verzichten, bzw. diese aufzuschieben und nach der Geburt zu besprechen, damit die erste Verbindungsphase nicht gestört wird,
– dass die Fruchtschmiere von allein in die Haut einziehen kann und das erste Baden durch die Geburtsbegleiterin (meine Mama) übernommen werden kann,
– dass auf Schnuller, Flaschen oder Muttermilchersatz verzichtete wird, um den anfänglichen Stillprozess nicht zu stören,
– die Durchführung der U2 Untersuchung bzw. den Hörtest sowie die Stoffwechseluntersuchung (72 Stunden nach der Geburt) durch die Ärzte im Krankenhaus, da keine Hebamme oder Kinderarzt für diese gefunden werden konnte.

Wir danken Ihnen im Voraus für Ihre Unterstützung und das Respektieren unserer Wünsche. Wir sind uns sicher, dass es dadurch zu einer schönen und unvergesslichen Geburtserfahrung für alle Beteiligte kommen kann.

Herzliche Grüße,
Franziska Behlert und Mama

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Vorlagen für Geburtswunschlisten gibt es übrigens direkt auch im Hypnobirthing-Buch von Marie F. Morgan. Daran habe ich mich auch orientiert und sie einfach nach meinen Wünschen und Empfindungen angepasst.

Alles Liebe,
Deine Franzi

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2 Gedanken zu “Die Wunschliste für meine natürliche und sanfte Geburt

  1. Katrin schreibt:

    Wow, ich bin wirklich sehr gespannt, ob das alles so umgesetzt wird bzw. werden kann. Ich wünsche es dir von ganzem Herzen und hoffe, dass es auch andere werdende Mamas ermutigt, sich mit dem Thema zu beschäftigen und von dem Gedanken „Geburt = Horror“ abkommen.

    Gefällt mir

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